Was macht die Faszination des Genussmittels Wein aus? – Folge 2: Die Sinnlichkeit

Wenn mich jemand fragt: „Warum beschäftigst Du Dich ausgerechnet mit dem Thema Wein?“, dann ist die Antwort: „Weil Wein das für mich faszinierendste aller Genussmittel ist.“

Aber warum ist das so?

Hier ist das Ergebnis meiner nicht repräsentativen, persönlichen Einschätzung.

Für mich sind das hier die vier wichtigsten Aspekte, die die Faszination von Wein ausmachen:

1. Die Vielfalt
2. Die Sinnlichkeit

3. Das Genuss-Mittel
4. Der Austausch darüber

Weil die Beschäftigung mit diesem interessanten Thema den Rahmen eines Artikels sprengt, habe ich mich dazu entschlossen, daraus einen Vierteiler zu machen.


Hier nun der zweite Aspekt der Faszination Wein:

2. Die Sinnlichkeit

Der Begriff Sinnlichkeit ist hier sowohl im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen als auch im Bezug auf die verschiedenen Sinne, die beim Weingenuss angesprochen werden.

Beginnen wir mit letzterem. Es sind deren drei Sinne, die das Weingeniessen zu einem sinnlichen Vergnügen machen.

a) Das Sehen

Vielleicht kennen Sie das Gefühl – eigentlich kennt es jeder passionierte Weingeniesser.
Sie sehen einen Wein, der gerade in ein Glas gegossen wird. Sie sehen die rote Farbe, nach der sogar ein ganzer Farbton mit seinen vielen Nuancen benannt ist – Weinrot und Ihnen läuft schon dabei das Wasser im Munde zusammen.

Der Wein fließt lustvoll aus der Flasche ins Glas

Auch bei diesem Sinnesreiz wirkt sich wieder die ungeheure Vielfalt positiv aus. Diese führt dazu, dass es viele verschiedene Weintönungen gibt. Das fängt bei einem hellrot schimmernden Wein und geht über verschieden tiefe Dunkelrot-Töne bis hin zu Weinen, die fast violett sind.
Manche Weintöne sind schimmernd, andere eher stumpf. Manche Weine ziehen Schlieren im Glas nach dem Schwenken usw.

Die Freunde des weißen Rebensaftes unter Ihnen werden jetzt natürlich innerlich rebellieren, weil ich bislang nur von Rotwein gesprochen habe. Das mögen Sie mir bitte verzeihen.

Für Weiswein gilt natürlich prinzipiell genau das Gleiche. Bei Rotwein lässt es sich halt eindrücklicher beschreiben. Deswegen bin ich in meiner Erläuterung unwillkürlich in Richtung Rotwein abgedriftet.

Vergessen wir nicht den Roséwein. Dessen sinnliche Faszination lebt sehr stark von der Farbe.

Übrigens – bei mir persönlich setzt die Sinneswahrnehmung sogar noch einen Schritt früher ein. Mein Sehsinn wird bereits in oben beschriebener Weise berührt, wenn ich nur eine reife Weintraube am Weinstock sehe.

Saftige blaue Trauben am Weinstock

b) Das Riechen

Das ist ein Bereich, der wird von Sommeliers, Weinkritikern und sonstigen Fachleuten teilweise derart ausgereizt, dass entsprechende Weinbeschreibungen fast abenteuerlich klingen.

Diese Leute haben natürlich sehr feine Sinne, im Sinne von Riechen und Schmecken, die – wie bei einem Sportprofi – bestens trainiert sind.

Ein Beispiel aus der Praxis gefällig? Bitte schön:

„…glänzt anschließend mit feinem Aroma von Gewürzen und Sandelholz, Röstaromen und Vanille, die sich harmonisch mit dem delikaten Bouqet von Kirschen und Pflaumen vereinen.“ (Beschreibung des „Castero Vino Nobile di Montepulcano 2006/2007“ aus ebrosia Weinkatalog 2011/2012 S. 52)

Das Problem dabei ist freilich, dass der gemeine Weintrinker und erst recht der Weineinsteiger damit natürlich ein gewaltiges Verständnisproblem hat.

Nicht dass er die Beschreibung als solches nicht verstehen würde. Nein das Problem liegt einfach in der mangelnden Nachvollziehbarkeit.

Es kann sich der Einsteiger einfach nicht vorstellen, dass man bei zweimal Riechen diese Dinge alle gleichermaßen herausriechen kann.

Das führt dann unweigerlich zu Frustration, weil die Leute an den eigenen Sinnen zweifeln und sich (vermeintlich) eingestehen müssen, dass sie das ja nie lernen werden. Dieses Thema hier zu erläutern sprengt natürlich den Rahmen dieses Artikels. Auf diese Problematik gehe ich dann ein anderes Mal noch ausführlicher ein.

Das heißt aber nicht im Umkehrschluss, dass bei einem Weineinsteiger das Riechorgan quasi nicht zu gebrauchen ist.

Auch er ist in der Lage, zu sagen, ob für ihn ein Wein gut riecht, eher nicht oder vielleicht nach fast gar nichts – ja auch das gibt es.

Mein Trick in diese Sache: Ich rieche, wenn ich einen neuen Wein ausprobiere, direkt nach dem Entkorken das, was mir aus dem Flaschenhals entgegen strömt.

Auch wenn ich dann nicht jede Fruchtnuance erkenne, so habe ich für mich herausgefunden, dass ein Wein, der an dieser Stelle für mein Empfinden gut riecht, mir dann auch in den meisten Fällen gut schmeckt.

Ich weiß also bereits vor dem ersten Schluck, ob ich einen Treffer gelandet habe oder eher nicht. Probierens Sie’s mal aus. Sie werden sehen, Sie können das und diese Erfahrung ist schon mal sehr spannend.

In jedem Fall verstärkt das Riechen am Wein, egal ob er noch in der Flasche ist oder bereits im Glas nach der Verbindung mit Sauerstoff sein volles Aroma entfalten konnte, die Vorfreude auf den ersten Schluck.

c) Das Schmecken

Ich denke, wir sind uns einig, dass das Schmecken der wesentliche Bestandteil des Weingenusses ist.

Prinzipiell gilt hier natürlich das Gleiche wie oben für den Bereich des Riechens.

Lesen Sie beispielsweise eine solche Weinbeschreibung:

„…verwöhnt der feine Pinot Noir mit intensiven Aromen reifer Walderdbeeren, Johannisbeeren und Kirschen, untermalt von würzig duftendem Waldboden. Fein abgeschliffene Tannine stützen die überaus facettenreiche Frucht.“
(Beschreibung des „Pinot Noir Cuvée Jaques Charlet 2008“ aus ebrosia Weinkatalog 2011/2012 S. 23)

Weinverkostung

Sind Sie Weineinsteiger, dann bleiben Sie ganz cool und zweifeln bitte nicht an Ihrem Geschmacks-Sinn. Es ist alles in Ordnung, auch wenn Sie diesen Wein trinken und nicht alle fünf erwähnten Aromen herausschmecken.

Ein kleiner Tipp von mir: Nehmen Sie solche Beschreibungen trotzdem dankbar auf. Sie geben Ihnen wichtige Hinweise, die Ihre Kaufentscheidung beeinflussen können.

Achten Sie dabei auf Aromen, die Ihnen schmecken. Dann haben Sie bei der Vorauswahl schon den einen oder anderen Hinweis darauf, ob der Wein für Sie ein Treffer sein könnte oder eher nicht.

Für mich persönlich ist zum Beispiel der Hinweis auf „Pflaume“ immer ein Zeichen, dass dieser Wein nach meinem Geschmack sein könnte. Wohlgemerkt ein Hinweis und keine Garantie, weil dafür viele andere Kriterien ebenso eine Rolle spielen.

Doch kommen wir noch einmal kurz zur Ausgangsfrage zurück: Was ist es, das den Geschmack von Wein so faszinierend macht?

Ich denke, es hängt wieder mit der Vielfalt zusammen. Kein Wein gleicht geschmacklich genau dem anderen. Das ist auch kein Wunder. Es spielen so viele Faktoren eine Rolle: Die Rebsorte(n), der Boden, das Klima, das Wetter, die Verarbeitung, die Lagerung, die Reife usw.

Einerseits entwickelt man für sich persönlich einen Geschmackstypus, innerhalb dessen man seine Lieblingsweine findet.

Auf der anderen Seite hat man durch diese enorme Vielfalt auch innerhalb dieses Rahmens immer wieder tolle Neu-Entdeckungen.
Das macht aus meiner Sicht das Geschmackserlebnis Wein so faszinierend.

Doch schließen wir den Bogen damit, dass der Wein als solches auch eine sinnliche Facette im wahrsten Wortsinn hat.

Für alle, die jetzt immer noch nicht wissen, was Wein mit Sinnlichkeit zu tun hat, lassen wir doch einfach abschließend noch ein letztes Bild sprechen.

Weingenuss und Sinnlichkeit

…noch Fragen?

2 Antworten auf Was macht die Faszination des Genussmittels Wein aus? – Folge 2: Die Sinnlichkeit

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  • Alexander sagt:

    Schöner kann mans eigentlich nicht beschreiben. Wenn das nächste mal jemand fragt, warum gerade Wein, dann werd ich auf diesen Beitrag hier verweisen!

    Grüße aus München.

    • admin sagt:

      Hallo Alexander,

      besten Dank für Dein Kompliment.
      Würde mich freuen, wenn Du mal wieder vorbei schaust.

      Schönen Gruß in die Landeshauptstadt

      Michael

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