Weinempfehlung – macht das denn überhaupt Sinn?

 

Diese Frage kann man ganz klar beantworten: “Ja und Nein.”

Präzisieren wir zunächst die Frage nach dem Sinn einer Weinempfehlung. Wie wir wissen, sind ja die Geschmäcker sehr verschieden.
Abstrakt formuliert treffen eine unzählige Vielfalt von Weinen, für die irgendjemand eine Weinempfehlung aussprechen kann auf eine fast ebenso große Zahl unterschiedlicher Geschmacksempfindungen von Weingeniessern.

Spätestens jetzt verstehen Sie meine leicht provokante Fragestellung aus der Überschrift.

Was für Arten von Weinempfehlung gibt es überhaupt?
  • Private Weinempfehlung aus dem Familien- oder Bekanntenkreis
  • Öffentliche Weinempfehlung über Medien wie z.B. Wein-Zeitschriften, Weinbücher oder das Internet
  • Werbliche Weinempfehlung aus Anzeigen, Weinprospekten und -katalogen und auf Messen
  • Indirekte Weinempfehlung durch Weinwettbewerbe oder Weinkritiker, mit denen dann die Produzenten ihre Weine bewerben
  • Gastronomische Weinempfehlung durch einen Sommelier oder Kellner
  • Händler-Weinempfehlung durch einen Fachverkäufer oder den Händler selbst im stationären Weinhandel

Weinempfehlung vom Weinhändler

Sie sehen schon, das Feld, auf dem wir eine Weinempfehlung bekommen können, ist größer als zunächst denken würde.
Man könnte nun stundenlang über die Unterschiede und die Qualität der verschiedenen Arten und Anlässe referieren und diskutieren, zu denen bestimmte Weine angepriesen werden.

Das möchte ich aber an dieser Stelle gar nicht tun, sondern eher Sensibilität dafür wecken, dass man mit einer Weinempfehlung immer differenziert umgehen sollte.

In der Regel ist ein solcher Hinweis, einen bestimmten Wein doch mal zu probieren, eine gut gemeinte Sache.
Sie kennen ja vielleicht die immer wieder kontrovers diskutierte Objektivität bei der Vergabe von Punkten (siehe Parker), Weintrauben, Korken und Sternen (ich schließe mich hier gerne ein) oder den vielen Medaillen aus den verschiedensten Wein-Wettbewerben.
Auch die größten Kritiker solcher Art von Weinempfehlung werden zugeben, dass der Grundgedanke, aus der unüberschaubaren Vielzahl von Weinen die besten heraus zu finden, sehr positiv ist. Denn das Ergebnis solcher Profi-Verkostungen mit Bewertung schafft dem Weinkäufer Orientierung und ist – quasi im Nebeneffekt – Ansporn für die Weinproduzenten immer weiter an der Qualität Ihrer Erzeugnisse zu arbeiten.

Der kritische Aspekt an dieser Tatsache ist freilich, dass – je nach Marktbedeutung bzw. Marktmacht solcher Bewertungen – ein Teil der Produzenten versuchen, ihre Produkte möglichst genau nach dem Gusto der entsprechenden “Beurteiler” auszurichten.
In der Praxis hat das beispielsweise dazu geführt, dass viele Weingüter mit aller Gewalt Weine produziert haben, die der bevorzugten Charakteristik des “Weinpapstes” (und diese Bezeichnung stammt nicht etwa von mir) Robert Parker entsprechen.
Ohne dies nun weiter zu kommentieren, sind solche Blüten natürlich nicht im Sinne des Erfinders von professionellen Weinbewertungen.

Dieses Beispiel bietet mir aber quasi die Steilvorlage (sorry – bin ehemaliger Fußballer) zu meiner persönlichen Einschätzung oder besser gesagt Empfehlung an Sie als Weingeniesser.

Das Dilemma jeder Weinempfehlung liegt in der Sache selbst. Die Qualität eines Weines wird im wesentlichen durch seinen Geschmack definiert und – Sie wissen, was jetzt kommt – der ist nun mal immer subjektiv.
So prallen der subjetkiv positive Eindruck Desjenigen, der die Weinempfehlung gibt auf das subjektive Geschmacksempfinden des Adressaten. Man muss kein Akademiker sein, um zu erkennen, dass das nicht immer übereinstimmt.

Um im Beispiel zu bleiben, es wird Ihnen nicht jeder Wein genau so gut schmecken wie Herrn Parker, der Ihnen in Form seiner berühmten Punkte dafür eine Empfehlung ausspricht … und das muss es auch nicht.
Ich hatte schon 90-Parker-Punkte-Weine im Glas, bei denen ich keine Ahnung hatte, wo er die wohl her geholt oder besser gesagt heraus geschmeckt hat.

Das passiert aber nun mal und sollte eben nicht im Umkehrschluss zur Verteufelung aller Weinkritiker und Weinprämierungen führen. Die haben nach wie vor ihre Daseinsberechtigung, weil sie neben anderen Auswahlkriterien eine wertvolle Orientierung für den Verbraucher beim Weinkauf darstellen.

Seien Sie dennoch aufmerksam in der Bewertung von allzu vollmundigen Versprechen bei der Bewerbung von Weinen durch Händler – insbesondere in Prospekten, Katalogen oder sonstigen Beschreibungen von Weinen.
Oft ist Beschreibung und Wirklichkeit so weit entfernt voneinander wie die Erde vom Mond. Diese Erfahrung haben Sie sicher auch schon einmal gemacht.

Mein Fazit:

Seien Sie offen für jede Art von Weinempfehlung, egal ob sie von privat oder vom Profi ist – in der Regel ist sie gut gemeint.

Berücksichtigen Sie aber immer, dass Sie ein individuelles Geschmacksmuster haben. Gehen Sie souverän, damit um, wenn eine Weinempfehlung mal nicht nach Ihrem Geschmack ausfällt. Sagen oder denken Sie: “…sicher nicht so schlecht, aber eben nicht mein Geschmack.” Und stehen Sie zu Ihrem Geschmack, der ist eben einzigartig wie Sie selbst. Seien Sie also in dieser Hinsicht selbstbewusst und laufen Sie nicht blind jeder Weinbewertung hinterher.

Man sollte sich aber ebenso davor hüten, jede nicht passende Weinempfehlung quasi als “Betrugsversuch” an der eigenen Person zu verstehen. Das gilt auch für die Weinempfehlung vom Profiverkoster.
Seien Sie sich immer bewusst: Es kann keine allgemein glücklich machende Weinempfehlung geben.

Als gut gemeinter Hinweis, einen Wein auszuprobieren und auf diese Weise vielleicht wieder eine tolle Neuentdeckung zu machen ist eine Weinempfehlung aber in jedem Fall beachtenswert.

Seien Sie also offen,  aufmerksam und zugleich gespannt. Auch an dieser Stelle werden Sie immer die eine oder andere gut gemeinte und “handverlesene” Weinempfehlung bekommen.

 

 

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